Taiji im Grüneburgpark

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Tai Chi Basiskenntnisse: Die hier beschriebene Taijiquan Basis findet sich in allen Techniken und Anwendungen und bildet neben anderen die Grundlage eines funktionierenden Taijiquan.


Image Sören Aissen

Die Basis all unserer Taijiquan Übungen:



Das Sinken im Taijiquan:

Ohne weiter in Detail gehen zu wollen ( der Begriff des Sinkens sollte und wird jedem Schüler bewusst, wenn er mit seinem Taiji Training beginnt und angeleitet wird ) möchte ich wenigstens den Begriff erwähnen. In unseren Tai Chi Kursen in Frankfurt sowie in allen anderen Kursen der WCTAG und soweit ich informiert bin auch der Konkurrenz, sollten diese Wert auf funktionierendes Taijiquan legen, wird das (hoffentlich) hinreichend gelehrt. Sinken ist Basic, ohne Verständnis über das Sinken und das an Körperstruktur gebundene Lösen und Verbinden hat man nicht einmal Qigong und schon gar nicht Tai Chi! Das sich hinter dem Sinken etwas mehr verbirgt als bloßes nach unten Hocken oder in die Knie gehen ist auch klar.

Das Sinken geschieht überwiegend im Inneren, ist aber nach außen sichtbar und damit auch an eine Körperbewegung gebunden. Das Sinken ist nach unten gerichtet! Immer, selbst wenn ich meinen Körper während des Sinkens nach oben bewege. So zum Beispiel während eines Sprungs – wir haben das in unseren Taijiquanformen an einigen Stellen; insbesondere in den eher dynamischen Formen des Pao Chui aber auch sehr schön in der Säbelform und Guan Dao (Hellebarde) Form. Hierbei nutze ich eine Kraft, die innerhalb des Sinkens in die entgegengesetzte Richtung wirkt – also nach oben.

Unsere Schüler kennen das aus dem Unterricht der Stehenden Säule ( Zhan Zhuang ). Hier hören die Schüler der WCTAG in der Regel einen etwas längeren Text, der sie in die Übung der Stehenden Säule leitet und ihnen das Lösen, Sinken und Zusammenschließen (Verbinden) des Körpers erleichtern soll und auch tut. Vor den Körperkorrekturen durch den Lehrer und gegen Ende des Hineinführens in die Übung hören sie stets die Aussage: „Das Schwere und Trübe sinkt nach unten, das Leichte und Helle steigt nach oben.“ Eine Aussage, die man in den ersten Jahren des Taijiquanübens wohl einfach über sich ergehen lässt ohne auch nur etwas zu verstehen. Mit der Zeit spürt man aber nicht nur das Sinken, sondern auch das feine aber sehr deutliche Steigen einer Energie innerhalb des Sinkens. Dieses Steigen richtet uns auf und stellt den Impuls während eines Sprunges zum Beispiel dar. In unseren nach oben gerichteten Bewegungen – also immer wenn wir einen Arm heben folgen wir dem Weg, der durch das Nachobensteigen des Feinen und Hellen innerhalb des Sinkens vorgegeben wird.

Oder genauer: Durch das Sinken im Körper entsteht eine saugende ziehende Kraft, in der etwas feineres nach oben steigt und den Körper in der Bewegung mühelos aber mit Energie geladen in die gewünschte Richtung bewegt. In den darauffolgenden Schritten machen wir uns dieses Phänomen während der Spiralkräfte und ihren Anwendungen und darausfolgend dem Fajin zu nutze. Das Sinken ist also nur die Grundlage für das, was darus folgt. Es ist eigentlich nicht besonders schwer zu erlernen und stellt doch einen wichtigen Schritt für das Verständnis aller übrigen Kräfte in unserem Gong Fu dar. Arbeiten wir doch ab einem gewissen Niveau fast nur noch mit Sinken, Lösen und den daraus resultierenden ziehenden Kräften! Die Voraussetzung für das Verständniss des Sinkens und den damit verbundenen Energien, ist ein kompakter, verbundener (wai san he) und entspannter aber nicht schlaffer (song) Körper.

Yin und Yang unterscheiden:

Über die Eigenschaften von Yin und Yang und ihrer Bedeutung wurde an anderer Stelle geschrieben. Unser Übungskonzept der Seidenübungen soll uns einen einfachen Einstig aber auch die Vertiefung der Kenntnisse über Yin und Yang vermitteln.


Mehr zum Thema Yin / Yang unterscheiden

Zur Begriffserklärung: Yin / Yang



Bewegungskoordination im Taijiquan

Wichtig für den Taijianfänger ist ferner die abgestimmte Koordination der Bewegungen im Taijiquan. Das bedeutet erst ein mal: Die Bewegungen müssen gleichförmig und gleichmäßig ausgeführt werden. Aber was wohl am Wichtigsten ist: Die Bewegungen im Taijiquan müssen auf einander abgestimmt werden! Bewegt sich ein Teil, so bewegen sich alle Teile des Körpers und steht ein Teil, so steht der ganze Körper heißt es in den alten Lehrschriften zum Taijiquan. Das ist in sofern wichtig, als das an diesen ganzheitlichen Bewegungen der Qi-Fluss gekoppelt ist! Ohne ganzheitliches Bewegen kann sich ein spürbarerer Energiefluss nicht entwickeln! Daher Üben wir diese Bewegungskoordination so intensiv in unserem Unterricht!

Nun, für den Anfänger löst es oft Verwunderung aus, wenn er all dieses erste Wissen erlangt und sich erarbeitet oder einfach nur irgendwo gelesen hat, und dann fortgeschrittene Schüler, Lehrer oder Meister sieht, die scheinbar gegen diesen Grundsatz verstoßen. So werde ich oft gefragt, was denn ist, wenn ich z.B. am Anfang der Form stehe und nur meine Arme bewege oder wenn ich in Kampfanwendungen auf einen schnellen Schlag reagiere. Aber dies verstößt keineswegs gegen das Prinzip, da hier die Körperbewegung und der daran gebundene Qifluß nicht durch das das Verlagern des Gewichtes sondern durch das gleichmäßige und an die Armbewegung gebundene Sinken des Körpers generiert wird. Statt einer horizontalen Bewegung haben wir es beim Sinken mit einer vertikalen Bewegung zu tun, an die wir unsere äußere Bewegung binden bzw. daraus entstehen lassen.

Noch verwirrender ist es bei den Tempowechseln. Dazu muss man wissen, das Anfang und Ende einer ganzen Bewegung Dantian ist. Das bedeutet: Wann immer ich in Dantian ankomme mit meiner Energie, startet eine neue Bewegung und mit dieser kann natürlich auch ein, teilweise gar extremer, Tempowechsel einhergehen. Sonst wäre ich ja in meiner anfänglichen Geschwindigkeit gefangen und könnte mich nicht effektiv gegen einen Angriff erwehren.

All das sollte man sich von seinem Lehrer erklären und korrigieren lassen!

Die Basis eines guten Gong Fu in den Tai Chi Partnerübungen:



Das Anhaften (Zhan) im Taijiquan:

Mit Anhaften bewegen wir uns schon im Kampfkunstbereich. Das Anhaften ist die Kontaktaufnahme ohne Anhaften kein Entwurzeln. Ein Lehrer hat das Anhaften „Zhan“ einmal damit verglichen ein Brocken nasser Erde an die Wand zu werfen. Das Auftreffen ist das Anhaften.

Das Kleben (Nian) im Taijiquan:

Die nasse Erde bleibt nun an der Wand hängen. Sie ist quasi festgesaugt. Und sie bleibt auch festgesaugt egal wie der Gegner sich bewegt. Hier gibt es nach meiner Meinung nun zwei Möglichkeiten, das Kleben beizubehalten: Einmal das passive, absichtslose und entspannte Folgen und zum anderen eine etwas aktivere Kraft, die ich aus dem Verständniss der Radkräfte ableite. Diese zweite Form des Klebens ist etwas aktiver: Hier verbinde ich mich mit dem Gegner dadurch, daß ich eine gegensätzliche Kreisbewegung aufbaue, welche ich beim Folgen seiner Bewegungen ständig verändern muß. Der Kontakt zu ihm wird dadurch intensiver. Ich übertrage nun Energien auf den Anderen. Mein ganzer Körper ist bei dieser Form des Klebens und Folgens sehr aktiv. Ich versuche hier meinen ganzen Körper während des Klebens und Folgens mit dem des Gegners zu verbinden, um Energien zu übertragen.

Das Folgen im Taijiquan:

Will ich das Kleben bei behalten, wenn sich der Gegner bewegt und versucht den nassen Brocken an seiner Haut abzuschütteln, muss ich den Bewegungen des Gegners folgen und sie dementsprechend wahrnehmen und deuten können (Ting Jin und Dong Jin habe ich an anderer Steller erwähnt). Um zu Folgen muss ich meine Absichten, ja mich selbst aufgeben und den Bewegungen des Gegners folgen. Die Voraussetzung habe ich durch das Kleben und Anhaften geschaffen. Das Folgen ist also auch ein geistiger Akt. Aber eben auch knallharte Kampfkunstpraxis. Das Erlernen dieser Fähigkeit setzt in meinen Augen also eine Kombination aus dem Training des Geistes in der Meditation und der Stehenden Säule, des Körpers in den Tai Chi Formen und Seidenübungen, und vor allem der kämpferischen Fertigkeiten in den Partnerübungen und Kampfkunstanwendungen voraus.

Das Trennen vom Kontakt im Taijiquan:

Habe ich mich erfolgreich mit dem Gegner verbunden und kann ihm über die Kontaktpunkte folgen und ihn kontrollieren, so ist dies aber erst die halbe Miete im Tui Shou, in den freien Anwendungen und vor allem auch im realen Kampf auf der Straße! Ich muß ebenso lernen, mich im rechten Moment wieder von meinem Gegner zu trennen, der ja ebenso versucht, mich über die Kontaktpunkte zu kontrollieren und ein Trennen gegebenenfalls zu verhindern. Auch er sucht ja nach einer Möglichkeit, sich weiter auf mein Zentrum vor zu arbeiten, um letztendlich die totale Kontrolle und damit den Sieg über mich zu erlangen. Wie kann ich meinen Gegner oder Übungspartner treffen, wenn ich nicht durch seine Deckung komme und wir uns in den Klebenden Händen gegenseitig binden? Spätestens an diesem Punkt entscheiden die Kenntnisse der so genannten "Radkräfte", nämlich das "Sperren des Rades" und das "Ableiten des Rades" und natürlich die Kenntnisse der "Spiralkräfte", also der dreidimensionalen Form eines Rades, sowie eine tiefe Basis der 13 Grundtechniken im Tai Chi Chuan über Sieg und Niederlage. Diese muß ein ausgebildeter Lehrer in den Partnerübungen erklären und anleiten. Viel praktisches Üben und Wiederholen ist auch hier der Schlüssel zu tieferen Verständnis.